Praxis: Bilder und ihre Emotionen

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Manchmal erkennt man schon an der Wortwahl, wie wichtig einem bestimmte Szenen sind. „Da ist von... mehr
Produktinformationen "Praxis: Bilder und ihre Emotionen"

Manchmal erkennt man schon an der Wortwahl, wie wichtig einem bestimmte Szenen sind. „Da ist von „Seitenbildern“ die Rede, oder von „Schnitt-material“, selten jedoch von „Detailszenen“. Doch genau das sind die Bilder, die den Blick auf die emotionale Seite eines Filmes öffnen. Egal ob Spielfilm, Dokumentation, Social- Media-Clip oder Werbung: Niemand kommt ohne sie aus. Folgerichtig sollte man ihnen auch eine entsprechende Bedeutung zukommen lassen. Denn die Details vermitteln die Botschaft emotional. Oft werden diese Szenen auch als B-Roll bezeichnet. Doch das stimmt so nicht ganz, zumindest was ihre die Bedeutung im fertigen Film angeht. Ein Beispiel: Die Sequenz spielt im Umkleideraum eines Sportvereins. Ermittler befragen eine Person, die gerade etwas in den Spind legt. Dabei ist die Hand mit dem Gegenstand im Spind kurz in einer Naheinstellung zu sehen. Diese Szene wurde Wochen nach den anderen Aufnahmen von einem „B-Roll“-Team gedreht. Wenn teurere Schauspieler am Set sind, macht das Sinn, da auch eine kleine Szene viel Zeit und damit Geld verschlingt. Die Hand gehörte natürlich keinem der Schauspieler. In diesem Falle handelte es sich wirklich um Schnittmaterial, die Nahaufnahme hatte keine größere emotionale Bedeutung. So ist es oft auch bei Actionszenen. Die teuren Shots werden von der Hauptcrew gedreht und der Rest später. Anders sieht es aus, wenn die Detailszenen wirklich eine tiefere emotionale Bedeutung haben. In Roman Polanskis Film „Der Gott des Gemetzels“ mit Jodie Foster gibt es eine Szene, in der die Protagonistin mit sich selbst ringt. Sie will sich einen Drink nehmen, in einem amerikanischen Film eigentlich nichts Besonderes. Doch hier ist es anders. Als sie an der Bar mit der Flasche steht, sehen wir in den einzelnen Detailbildern, welchen inneren Konflikt sie austrägt. Sie ist offensichtlich eine trockene Alkoholikerin – und verliert schließlich den Kampf gegen die Flasche. Diese Szene ist eingebettet in einen viel größeren Konflikt, der durch dieses kleine Detail an Bedeutung gewinnt. Also stammen die Nahaufnahmen der Hände, der Flasche und des Glases auch nicht von einer B-Roll-Crew. Da die Hände emotional „spielen“, sind sie die der Schauspielerin. Und wurden vermutlich nicht Wochen später gedreht.

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